Sophie Lübeck in den Medien
Wochenspiegel Lübeck, Samstag, 08.01.2011
Vollständiger Artikel (Quelle: Wochenspiegel Lübeck, Samstag, 08.01.2011)
Die Angst vor den anderen
LÜBECK. „Angst essen Seele auf“: Für eine attraktive, elegant gekleidete Frau, die in einem Raum des Bürgerhauses Vorwerk-Falkenfeld sitzt, ist das mehr als nur eine Redewendung. Die Angst vor Menschen und sozialen Kontakten nagt an ihrer Seele. „An manchen Tagen bin ich lieber bereit in meiner Wohnung zu hungern, als rauszugehen und einzukaufen.“ Der sportlich aussehende junge Mann neben ihr nickt. „Ich bleibe auch lieber alleine im Büro, als mit den Kollegen in die Kantine zu gehen.“
Sie und ein Dutzend weitere Männer und Frauen sind die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit sozialen Ängsten. Nach neueren Untersuchungen schätzen Experten, dass rund zehn Prozent der Bevölkerung unter sozialen Phobien leiden. Siezeigen sich unsicher im Umgang mit anderen Menschen, trauen sich nicht vor Gruppen zu reden, haben Angst, sich zu blamieren oder zu versagen und möchten am liebsten allein sein. Die Folgen wiegen schwer: Für die Betroffe nen wird es mühsam, Freunde und Partner zu finden oder im Beruf Karriere zu machen. Selbst alltägliche Handlungen wie das Einkaufen können zu einer psychischen Last werden.
Einen Ausweg aus der Isolation eröffnet „Sophie Lübeck“, die Selbsthilfegruppe für Menschen mit sozialen Phobien. „Wir treffen uns einmal in der Woche hier im Bürgerhaus“, erklärt André Schubert, die Kontaktperson der Gruppe. „Wir organisieren aber auch gemeinsame Aktivitäten. Einmal im Monat frühstücken wir zusammen und haben einen Stammtisch in einer Gaststätte.“ Die Gruppe ist ein geschützter Raum, in dem die Betroffenen den Umgang mit Menschen und mit der eigenen Angst üben können.
Die Ursachen der Phobien liegen meist in der Kindheit: Misshandlungen, eine gestörte Erziehung, soziale Härtefälle und Mobbing in der Schule zählen zu den häufigsten Auslösern. Umso wichtiger wäre es, soziale Ängste frühzeitig zu behandeln. Deswegen möchte „Sophie Lübeck“ zusammen mit der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) des städtischen Gesundheitsamts nun auch eine Selbsthilfegruppe für Jugendliche anbieten.
Wie gut eine Selbsthilfegruppe helfen kann, beweist André Schubert selbst. Seit drei Jahren besucht er die Treffen von Sophie Lübeck. „Ich arbeite jetzt im Fahrgastservice und habe täglich mit vielen Menschen zu tun. Dass ich es soweit geschafft habe, habe ich nur der Gruppe zu danken.“ SDF
Aktualisiert (Dienstag, den 18. Januar 2011 um 14:58 Uhr)

